Mittwoch, 16. Dezember 2015

Abstecher nach...

Südkorea - Hüter konfuzianischer Tradition und Wirtschaftswunderland


Nach den ziemlich anstrengenden 8 Tagen auf der Magistrale durch Sibirien haben wir uns in Wladiwostok eine mehrtägige Pause verdient. Und das Auto einen Check. Mussten nun auf eigene Faust eine VW-Werkstatt suchen, wurden auch schnell fündig. Denn schließlich befinden wir uns in einer 600.000 Einwohner zählenden Großstadt. 
Das VW-Autohaus sieht aus wie "geleckt" - auch die Big-VW-Modelle im Verkaufsraum machen einen "glänzenden" Eindruck. Dagegen sieht unser altes, sehr vom Staub eingepacktes Mobil eher aus, als würde es aus einer der vielen, unaufgeräumten Schrauberbuden vom Wegesrand kommen - punktet aber sogleich bei den Angestellten mit seinem rot-weißen "Outfit" :)

Okay - tragen dem Servicemeister unser Anliegen so gut es geht auf russisch vor - WOW! - hat er alles verstanden. Also ab auf die (Hebe-)Bühne.... Wir werden inzwischen mit Cappuccino, Schokolade und Bonbons versorgt. Maria, die Empfangsdame, kümmert sich rührend um unser Wohlergehen.




Nach 1 Stunde "Untersuchung" steht fest: Zusätzlich zum Ölwechsel müssen neue Teile her. Spurstangenkopf, Spurstange, Antrieb und Stoßdämpfer vorn. Für Teil 1 und 2 wird 1 Woche zum Ordern benötigt, für die Stoßdämpfer aber 3 Wochen, weil diese aus Deutschland kommen müssen. Puuuh.... Und was machen wir in der Zeit???....3 Wochen Wladiwostok wären dann doch zuviel des Guten.

Also entschließen wir uns, die Fähre nach Südkorea zu buchen, die in 5 Tagen hier ablegt. Für Überlegungen, wie und wohin wir unsere Reise fortsetzen, bleibt immer noch genug Zeit...:)

Gunnar hält schon mal nach der Fähre Ausschau..

Doch leider dürfen in Südkorea keine in Deutschland zugelassenen Autos fahren, also heißt es Rucksack packen. Auftrag zum Besorgen der Teile ausgelöst, Wladiwostok besichtigt (was in 4 Tagen locker zu schaffen ist) und Sachen für einen 11-tägigen Abstecher nach Südkorea gepackt. Auto in die Obhut der Werkstatt gegeben, schnell noch das Wetter in Korea gecheckt - Oh fein.. durchweg 25-30 Grad und Sonnenschein! Also alles wie gehabt. Dann kann die dicke Fleece-Jacke ja im Auto bleiben. Auf geht`s



Die Ausfahrt aus dem Hafen Wladiwostok bot uns ein imposantes Bild auf die Hafenstadt. Nicht zu Unrecht wird Wladiwostok auch das russische San Francisco genannt. Allein schon die Zufahrt in die Stadt auf die Halbinsel und die riesige Brücke erinnern sehr stark an die amerikanische City.






Mit uns schippern außer einer großen Reisegruppe Koreaner auch Marcel und Ulrike aus Berlin und Marek aus Polen nach Donghae. Die drei haben aber die Weiterfahrt nach Japan gebucht und wollen dort ihren Urlaub fortsetzen. So wird`s auf der Fähre ein sehr lebendiger Erzähl-und Spieleabend mit "Quircle", und in Gesellschaft vergingen die Stunden an Bord wie im Flug. Schnell noch ein paar Stunden in der Koje und schwups - am nächsten Tag um 11:00 Uhr (1 Stunde drauf zu Wladiwostok) legen wir im Hafen von Donghae an.




Das erste Schmunzeln über asiatische Gepflogenheiten ring uns dann die Vorgehensweise beim Verlassen der Fähre ab. Wir (und alle anderen an Bord befindlichen "Foreigner") durften diese nämlich als Letztes verlassen. Kein Scherz - es hingen Passagierlisten aus, auf denen die Reihenfolge des "von Bord gehens" beschrieben war. Mutete schon etwas komisch an... Soll eben alles seine "Ordnung" haben. Genauso wie auch die korrekte Benutzung einer (für uns Europäer üblichen) Toilette sehr schön bildlich dargestellt war....Ein weiteres Mal schmunzeln :)



Nach Ankunft Umstieg in ein Taxi zum Busterminal, um die Weiterreise direkt nach Seoul anzutreten. Funktionierte super. Trotz leichter Verständigungsschwierigkeiten hat uns der Taxifahrer, wenn auch mit rasanter Fahrweise und weißen Baumwoll-Handschuhen bestückt, am Richtigen von den 3 Terminals abgesetzt und der Bus - absoluter Komfort -was Beinfreiheit und Service angeht-, brachte uns in 4 1/2 Stunden in die Hauptstadt. Die Fahrt hierhin bot uns einen ersten Eindruck vom Land: die ersten buddhistischen Tempel kündigten sich an, Reisfelder und viele landschaftlich schöne Ausblicke begeisterten uns.

In Seoul, der pulsierenden Hauptstadt "gelandet", gestaltete sich das Finden unseres Hotels als etwas schwieriger. Hin und wieder konnten englisch-sprechende Bürger nach dem Weg befragt helfen, aber die Stadt ist so Mega-Groß! Immerhin mit 10 Millionen Einwohnern die 10t-größte Stadt der Welt! Und die vielen in den Himmel ragenden Wolkenkratzer sowie der geschäftige Straßenverkehr machen es uns nicht gerade leicht. 


Sehen scheinbar sehr hilfsbedürftig aus :), als wir von einem jungen koreanischem Pärchen angesprochen werden, die uns dann den richtigen Weg durch den "Stadt-Dschungel" weisen. Ok - also weiter gesucht, wieder Taxifahrer gefragt, GPS gecheckt, wieder Taxifahrer interviewt ....die uns aber nicht verstehen und das Hotel auch nicht kennen. Eine halbe Stunde später und ich kurz vor dem Streiken - weil Rucksack immer schwerer wird und ich müde nach so langer Suche, tippt mir von hinten jemand auf die Schulter. Nein.... nicht der Jürgen:) - Haha.




Das junge Pärchen von vorhin hat uns "gesichtet", wie wir immer noch scheinbar suchend in der City umherirren. "Verfrachten" uns kurzerhand in ihr Auto und bringen uns zu unserer Unterkunft. Ist das phänomenal! Aus reiner Nächstenliebe!.... Wir sind völlig geplättet, angesichts so völlig uneigennütziger Hilfsbereitschaft - und vom langen Tag. Tauschen aber noch Kontaktdaten aus, falls uns langweilig werden sollte in Seoul :), bevor wir uns voller Dankbarkeit verabschieden. 




Der Inhaber unseres Guesthouses konnte dann auch wieder gut englisch und geizte nicht mit Sightseeing-Tipps. Und da wir sonst ja viel im Auto sitzen, war auch hier "Ablaufen" angesagt, bis die Beine mal schwer wurden und wir auch die U-Bahn nahmen. Sollte man sich in Seoul auch auf gar keinen Fall entgehen lassen! Ein Mega-Gewusel unter der Erde, viele Verzweigungen, aber relativ leicht zu durchschauen, super moderne Ticketautomaten und etliche Underground-Märkte. Sehr geschäftiges Treiben.


Hier hat man es dann schon auf den durch Automatik- Türen vom Gleis getrennten Bahnsteig geschafft

Von Seoul insgesamt waren wir bereits nach einem Tag angenehm beeindruckt: Super hilfsbereite Koreaner, öffentliche Verkehrsmittel im 5-Minuten-Takt, auch Busse (wirklich jeder mit AC), technisch hoch entwickelt, an jeder Ecke eine Tourist-Info, überall Wifi und super-sauber, selbst in den letzten Winkeln. Coole Stadt ....die einem mit Geunjeongjeon-Palast, National Folk-Museum, Bukchon Hanok Village, Gwanghwamun-Square, Jogyesa-Tempel usw. einen ersten Einblick in die alte koreanische Kultur und den Lebensstil der alten und neuen Zeit bietet. 

Nur auf beheizbare Klobrillen (wie in unserem Hotelzimmer) und auf die permanente Desinfektion wirklich jeden Handlaufs kann ich auch gut und gerne verzichten....Und diese verdammt unaussprechliche Sprache...


Da dieses Ding nur koreanische Beschriftung und Zeichen hatte, konnten wir es nicht einmal ausschalten
Haben uns dann doch noch mit dem koreanischen Pärchen, Soon und Sine, von tags zuvor verabredet und gemeinsam einen wunderschönen Nachmittag und Abend verbracht. Nicht, das uns etwa langweilig war ...:) - nein, die beiden hatten uns angemailt und wollten gern "Stadtführer" spielen. 


So fuhren sie u.a. mit uns auch bis kurz vor die DMZ, nach Imjingak (Nuri-Friedenspark), einem beliebten Ausflugsziel für Familien am Wochenende. Alles wirkt friedlich, aber es gibt keinen Frieden an diesem Ort.



Die Demilitarisierte Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea ist eine absurde Idylle. Sie ist ein neutrales Gebiet, das nach der Vereinbarung zum Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea eingerichtet wurde. In der Mitte verläuft die Demarkationslinie, von der sich die Pufferzone auf beiden Seiten etwa 2 km weit erstreckt.




Imjingak zeigt u.a. Relikte und Monumente des Korea-Krieges, sowie der darauffolgenden Konfrontationen der beiden Länder. 

Der Nuri-Friedenspark ist zugleich ein riesiger Park, der bis zu 20.000 Touristen zu einer Zeit aufnehmen kann. Hier sind verschiedene Skulpturen ausgestellt und man kann auf den Grashügeln allerlei Aufführungen genießen. So "bummeln" wir durch die Anlagen, die Erinnerungen an die innerdeutsche Teilung aufkommen lassen. Können das Ganze deshalb gut nachvollziehen und wünschen diesem Land, wie den beiden auch, eine friedliche Wiedervereinigung.



Eine von Schüssen durchlöcherte Lok 








Im Park kann man auch allerlei Unfug treiben :) - Nein, nein: "sportliche" Spiele


 



Soon und Sene "entführten" uns weiter, in ein angesagtes koreanisches Restaurant, weit außerhalb der Stadt (..welch Freude bei mir angesichts des zu erwartenden Fischmahls - aber da musste ich durch :)), und bestiegen mit uns zum Abschluss noch den Seoul-Tower, von wo aus wir einen Panoramablick auf Seoul bei Nacht hatten. Ein sehr erlebnisreicher Tag! 




Nächster Tag: Abreise mit dem Zug nach Gyeongju, in die einstige Hauptstadt des Silla-Reiches und kulturelles Zentrum des Landes mit dem Express-Zug "KTX", der seinen Namen auch wirklich verdient. Der düste im Schnitt mit 300 km/h durch die koreanische Landschaft. Deutsche Bahn - es geht!!!





Sightseeing in Seoul



































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