Montag, 23. November 2015

Wladiwostok: Russlands Tor zum Pazifik

Von der mongolischen Grenze nach Chita, mit "Gesellschaft" weiter nach Khabarovsk - bis in den südöstlichsten Zipfel Russlands nach Wladiwostok

Müssen an der mongolischen Grenze zu Russland dieses Mal mehr Geduld aufbringen. Die Autoschlange vor der Schranke wird nur schleppend kürzer, weil genau von der gegenüberliegenden Seite mongolische Kleinhändler mal eben eine inoffizielle Zufahrt zur Grenze nutzen, um schneller zu ihren Herden, Handelsorten oder "Sonstwohin" zu gelangen ...und die "Vorfahrt" ihnen stoßweise auch gewährt wird :). So benötigen wir glatte 5 Stunden, bevor wir wieder russischen Boden befahren und steuern demzufolge die erst grössere Ortschaft zum Übernachten an. 




Finden einen scheinbar bewachten Parkplatz (zumindest lassen das die hohen Mauern ringsum vermuten), der sich jedoch als nicht öffentlich rausstellt. Der russische Büroangestellte der hier ansässigen Ausbildungsstätte für Wachmänner ist aber so nett und bringt uns zu einer "Stojanka Spezial". Diese ist eher eine Art LPG-Hof und Kfz-Werkstatt in einem. Aber zumindest sind wir bewacht und dürfen das Plumpsklo nutzen... 





Hatten dann vergessen, nachts unsere Schuhe bzw. Badeschlappen (meine "Ganzjahresschuhe") rein zunehmen und mussten sie nächsten Tag auf dem Hof erstmal suchen gehen. Nein - nicht geklaut!  :)...



Die 3 Hunde des Grundstücks haben sie "gekostet" und über den Hof verteilt. Trotz kleinerer Knabberschäden sind unsere Schuhe aber weiter nutzbar....also alles halb so wild.

Die Strecke bis Chita bot uns noch ein wenig Abwechslung. Schlechte Straßen - nun gut - einige kleinere Serpentinen am Fluss entlang und dicht bewaldete Abschnitte. In Chita füllen wir noch einmal unsere Essensvorräte auf und machen uns dann auf, den wohl schwierigsten Abschnitt durch ganz Russland zu durchfahren. Zumindest hatte man das Gefühl.... Weit und breit nur die Magistrale und tiefste Taiga!! Nichts als Straße und Wald und wieder Straße, und wieder Wald zu sehen. Nicht einmal Mr. Petz oder sonst ein Tier(chen) ließen sich hier blicken. Die dünn besiedelste Region, die wir bis jetzt gefahren sind - Da war selbst die Mongolei streckenweise mit mehr Jurten und Nomaden bestückt als dieser Abschnitt mit Lebewesen! 
Die kleinen Dörfer, einige Kilometer abseits der Hauptstraße, liegen zum Teil 200 Kilometer auseinander, was auch bedeutet, dass es unterwegs keine "Produktui" zu kaufen gibt. Einzig und allein Tankstellen finden sich nach größeren Streckenabschnitten, also passen wir stets auf, dass wir immer bei halb leerem Tank eine "LukOil" o.ä. ansteuern.






Den hätten wir fast mitgenommen, weil er so schön auf uns aufgepasst hat :)
Wir erreichen, schon nach Einbruch der Dunkelheit und unzähligen Kilometern im Nichts, ein kleines Restaurant mit "Hotelbetrieb" und der Inhaber lässt uns für einen kleinen Obolus auf seinem eingezäunten Grundstück übernachten.

Wir sind nicht lange allein. Nach einer guten Stunde gesellte sich "Schenja" zu uns. Ein russischer, kleiner untersetzter Mann, der durch eine Autopanne hier gestrandet ist (so erzählte er uns), und nun wohl eine Mitfahrgelegenheit suchte. Wir hörten uns seine missliche Lage an und entschieden nach kurzer gemeinsamer Beratung, ihm zu helfen. In der nächst größeren StadtShimanovsk, ca. 1.200 Kilometer in unsere Richtung, oder wenn nicht dort, dann nach weiteren 800 Kilometern, in Khabarovsk, wolle er sich neue Teile besorgen, und dann mit dem Zug zu seinem Auto zurückkehren. 

Nun gut - Hatten jetzt also Gesellschaft, heißt Tag und Nacht zu dritt in unserem "Mobilhome". Dummerweise waren seine benötigten Ersatzteile, die er von unterwegs telefonisch in Shimanovsk nachfragte, dort nicht verfügbar. 
Na, was soll`s - teilen also weitere 2 Tage unsere "Wohnung" mit Schenja. 
Aber warum nur hat Schenja eigentlich gar keine Sachen mit ???.. Nicht mal `ne Zahnbürste. War mir schon irgendwie spanisch,.... ähh, russisch natürlich. Auf Nachfrage erklärte er uns, dass all seine Sachen in seinem Auto liegen, was aber weiter entfernt in einer Garage untergebracht steht, und er sich auf den Weg nach Ersatzteilen gemacht hat. So erfuhren wir auch von seiner Familie, seiner Arbeit, seinem Auto und noch so Vielem mehr.... Und außerdem bewohnen seine Eltern in Wladiwostok ein großes Haus, wo wir dann nach Ankunft auch gern übernachten können. Na, wenn das kein Zufall ist! 







Prompt arrangierte er telefonisch in W. noch gleich einen Autowerkstatt-Termin für uns, da wir vor hatten, es nach diesen Strapazen einmal gründlich "untersuchen" zu lassen. Wurden also in Wladiwostok sehnlichst erwartet. 
Nach über gemeinsamen 2.000 Kilometern, ohne Dusche und 3 sehr geräuschvollen Nächten an der Magistrale, bestand ich nach Ankunft in Khabarovsk auf ein Hotelzimmer. Hier wurde das Ganze dann scheinbar ein Problem für unseren "Freund". Denn er hegte wohl die Hoffnung, dass wir auch sein Zimmer mit bezahlen würden - denn schließlich haben wir ihn ja 3 Tage lang zum Essen und Trinken auch eingeladen. Taten wir aber nicht - Also kam er ins Schwitzen - und pumpte uns, (mit einer wie sich hinterher rausstellte gefälschten Whats App-Nachricht seiner Mutter), vom Nachbarzimmer aus an. Gutgläubig wie wir waren und "Menschen in Not helfen wollend" gaben wir ihm auch noch Geld, damit er den nächsten Tag zu Essen und zu Trinken hatte und auch den Zug zu seinem Auto nehmen konnte. Vertrauten irgendwie noch seiner Geschichte, auch wenn ich von vornherein Bauchschmerzen bei den vielen Zufällen hatte.... aber wir malten uns immer aus, wie wir wohl handeln würden, wenn wir in einer so misslichen Lage wären.....
"Schenja" hatte also von uns umgerechnet 140 Euro für Hotel, Essen und Zugfahrt bekommen. Verabschiedeten uns noch bis auf ein Wiedersehen in Wladiwostok, wo er es uns zurückzahlen wollte und machten uns auf die restlichen 750 Kilometer Weg. 
Durchquerten den Amurskij Rayon, wo auch der Amur-Tiger zu Hause ist... und auch blieb :) - Lief uns  einfach nicht über den Weg...:)



In Wladiwostok angekommen, suchten wir voller Vorfreude auf eine Dusche nach dem Haus seiner Eltern. Telefonierten sämtliche von ihm erhaltenen Nummern ab - alles ohne Erfolg. Suchten das Haus -  gab es nicht, und die Nummern, die ich reihenweise durchprobierte, waren alle nicht vergeben .... 

Schön aufgesessen!! Auch er war unter der abgespeicherten Nummer nicht mehr zu erreichen, genauso wenig, wie die von ihm benannte Autowerkstatt an der Stelle zu finden war, die er uns angab.....
Oh Mann - was waren wir wütend!!! So ein Halunke!!!...Und wir so dämlich!..
Dachte da gleich noch an die Worte von Svetlana. Niemals, aber wirklich niemals jemanden mitnehmen, mahnte sie uns eindringlich! - Hätten wir doch mal auf sie gehört.
Das Ganze kostete uns erstmal Kraft, den Betrug zu realisieren, bevor wir uns nach erstem Frustablassen wieder auf Stellplatzsuche konzentrieren konnten....
was sich in Wladiwostok als äußert schwierig erwies. Die Stadt hat fast nur Einbahnstraßen-System und der Verkehr ist unbeschreiblich - partout kein Durchkommen. Was im Stadtbild außerdem sofort auffällt, ist die totale Verdrängung russischer und europäischer Automarken durch günstige Gebrauchtwagen-Importe aus Japan: Fast alle Autofahrer sitzen deshalb auf der rechten Seite am Steuer! Ein ungewohntes Bild. 
Nach Stunden der Suche fahren wir genervt wieder vor die Tore der Stadt, bis kurz vor der Eingangsbrücke, und stellen uns mit Einverständnis der Hotelmanagerin auf den Parkplatz des Parkhotels. Welch eine konfuse Ankunft im südöstlichsten Zipfel Russlands!.....Darauf einen Wodka....oder auch zwei! 


Impressionen









Wladiwostok